Heidelberg
Heidelberg
Kaum eine andere Stadt am Neckar wurde so oft besungen und bedichtet wie Heidelberg. In der einstigen Hauptstadt der Kurpfalz lebten und wirkten viele namhafte Schriftsteller der deutschen Romantik wie Achim von Arnim, Clemens von Brentano und Joseph von Eichendorff. Heidelbergs idyllische Lage im romantischen Neckartal und dem beginnenden Odenwald zieht Jahr für Jahr Besucher aus aller Welt an, so dass sich besonders im Sommer ganze Scharen amerikanischer und japanischer Touristen durch die engen Straßen und Gassen der malerischen Altstadt drängen.
Ihren Ruhm verdankt die Stadt neben ihrer renommierten Universität vor allem der hoch über der Altstadt thronenden Ruine des Heidelberger Schlosses. In dem aus herrlichem rotem Sandstein erbauten Renaissanceschloss bestimmten über fünf Jahrhunderte lang die Kurfürsten von der Pfalz die Geschicke des Landes, bis es im Pfälzischen Erbfolgekrieg in den Jahren 1689 und 1693 von den Franzosen zerstört wurde. Die Schlossruine gilt wegen seiner Größe, der idyllischen Lage und der immer noch vorhandenen Pracht als eine der schönsten in Deutschland.
Neben dem berühmten Heidelberger Fass, dessen stolze 221.726 Liter Wein einst der Zwerg Perkeo allein ausgetrunken haben soll, ist auch der Altan des Schlosses ein vielbesuchter Magnet, da man von hier aus die herrliche Aussicht auf die Stadt hinunter genießen kann. Ein noch schöneres Panorama von Alt-Heidelberg und dem Schloss bietet das Philosophengärtchen am Philosophenweg über dem Neckar. Der schönste Blick auf Heidelberg wird hier noch von Jasmin-, Rosen- und Zitronenduft untermalt. Die Heidelberger Altstadt um den Marktplatz, der von der Heiliggeistkirche dominiert wird, ist ein kunterbuntes Nebeneinander von hochbarocken Bürgerhäusern, kleinen und in Richtung Neckar hin oft auch schiefen Häuschen sowie aller Arten von Läden, Geschäften, Restaurants und Cafés.
Die Hauptstraße führt vom Bismarckplatz aus bis zum Karlstor durch die Altstadt und macht neugierig auf die vielen kleinen Gässchen, die rechts und links von ihr abgehen. Doch Heidelberg hat neben den eingelaufenen Touristenpfaden noch mancherlei Sehenswertes zu bieten, das auf den ersten Blick oft übersehen wird. So gibt es neben bedeutenden Gebäuden wie dem Großherzoglichen Palais, das die Akademie der Wissenschaften beherbergt oder der berühmten Karl-Theodor-Brücke, die bei den Heidelbergern nur „Alte Brücke“ genannt wird, auch allerlei Skurriles zu entdecken.
Zu dem berüchtigten Studentenkarzer auf der Rückseite der Alten Universität muss man sich oft durchfragen; hier mussten die Heidelberger Studenten ihre „Vergehen“, die meist aus nächtlicher Ruhestörung nach Zechgelagen bestanden, abbüßen. Ein Aufenthalt im Karzer galt als Kavaliersdelikt und wurde entsprechend provoziert. Lustig und interessant sind die teilweise sehr künstlerischen „Wandgemälde“, mit denen die unter Strafe stehenden Studenten sich ihre Langeweile vertrieben. Ebenfalls interessant ist der Hexenturm, der in eine Ecke des neuen Universitätsgebäudes integriert wurde. Er ist der einzige erhaltene Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der auch als Frauengefängnis diente.
Burschenherrlichkeit und Gemütlichkeit wird in Heidelberg großgeschrieben. Besonders in der Nähe der Alten Brücke findet man historische Studentenkneipen, die sich ihr romantisch-verklärtes Ambiente bis heute bewahren konnten. Wer seinem Heidelberg-Besuch noch einen kulturellen Akzent verleihen möchte, sollte die Manessische Liederhandschrift und den Sachsenspiegel – beides Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert – in der Buchausstellung der Universitätsbibliothek einer eingehenden Betrachtung widmen.
