Rothenburg ob der Tauber



Rothenburg ob der Tauber

In dem auf einer steil abfallenden Felsterrasse oberhalb der Tauber gelegenen Rothenburg scheint die Zeit seit dem Dreißigjährigen Krieg stillgestanden zu sein. Durch seine gut erhaltene historische Altstadt wurde Rothenburg weltweit zum Inbegriff des deutschen Mittelalters, das das ganze Jahr über von Touristen aus aller Herren Länder, insbesondere jedoch von Japanern und Amerikanern, zu Tausenden besichtigt wird. Der Besucherandrang und der damit verbundene Rummel sind zuweilen sogar so groß, dass kritische Stimmen schon von einem Disneyland mitten in Franken sprechen.

Das tut dem Inbegriff für deutsche Romantik jedoch keinerlei Abbruch, bleibt diese einzigartige Verbindung von Stadt, Fluss und Landschaft doch in ganz Deutschland unübertroffen. Die Rothenburger sind sogar eifrig bestrebt, den Charme und das mittelalterliche Flair ihrer Stadt durch zahlreiche Feste und bunte Veranstaltungen nach Möglichkeit noch zu steigern.

Aus einer um 970 errichteten Grafenburg entwickelte sich zunächst unter König Konrad III. eine Reichsburg, die bald schon Mittelpunkt eines blühenden Gemeinwesens wurde. Das um 1274 reichsunmittelbar gewordene Rothburg erreichte im 14. Jahrhundert unter Bürgermeister Heinrich Toppler den Höhepunkt seiner Macht. Als die Stadt im Dreißigjährigen Krieg von Tillys Truppen erstürmt wurde, war es dem „Meistertrunk“ des Bürgermeisters Nusch zu verdanken, dass Rothenburg der Plünderung und Zerstörung entging. 1802 verlor die Stadt ihre Reichsunmittelbarkeit und kam zu Bayern. Bereits im 19. Jahrhundert wurde Rothenburg touristisch erschlossen und selbst die teilweise Zerstörung durch einen Bombenangriff im Jahr 1945 konnte dem mittelalterlichen Flair der Stadt nichts anhaben, da der Wiederaufbau im alten Stil zumindest optisch gelungen war.

Das Zentrum des historischen Stadtkerns ist der Marktplatz mit dem beeindruckenden Rathaus, das den architektonischen Mittelpunkt der prächtigen Giebelhäuser im Renaissancestil darstellt. Das mächtige Gebäude besteht aus zwei Teilen: Der gotische ältere Bau mit dem Kaisersaal und dem Turm sowie dem vorderen Renaissancebau, an dessen Portal die alten Rothenburger Maße „Rute“, „Elle“, „Schuh“ und „Klafter“ zu sehen sind.

Die 1446 erbaute Ratstrinkstube, die zu früheren Zeiten nur von den Ratsherren betreten werden durfte, zählt zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt. In Erinnerung an den legendären „Meistertrunk“ wurde neben einigen anderen Uhren auch die berühmte Kunstuhr angebracht, deren Figuren zwischen 11 bis 15 sowie um 21 und 22 Uhr die Sage neu aufleben lassen: Vor den Augen des staunenden Tilly erhebt der Altbürgermeister Nusch den über drei Liter fassenden Weinpokal und leert ihn auf einen Zug.

Die von außen schlicht erscheinende Stadtkirche St. Jakob gilt ihrer Größe wegen als Sinnbild des bürgerlichen Selbstbewusstseins. Das reich ausgestattete Innere birgt den herausragenden Heiligblut-Altar von Tilman Riemenschneider sowie den ebenfalls von diesem Künstler geschaffene Franziskusaltar in einem Seitenschiff der Kirche.

Das Gruseln lernt man im Kriminalmuseum der Stadt, das neben Urkunden aus dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtswesen auch eine schaurige Vielfalt an Folterwerkzeugen zu seiner Ausstellung zählt. Das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus, das Bäuerliche Museum und das Toppler-Schlösschen vor den Toren der Stadt gehören ebenso zu den unzähligen Sehenswürdigkeiten Rothenburgs wie der unvermeidliche Spaziergang entlang der Wehrgänge auf der Stadtmauer, die man über den Aufgang durch die Klingengasse erreicht. Besonders vom Röderturm aus bietet sich ein unvergleichlicher Blick über die östliche Wehranlage und das Dächermeer der Altstadt.





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