Würzburg in Bayern



Würzburg

Die alte Bischofs- und Universitätsstadt Würzburg gilt als Inbegriff fränkischer Lebensfreude und bildet einen erfrischenden Kontrast zu dem evangelisch geprägten Norden des Landes, wenngleich manche Besucher sich von der Vielzahl an sakraler Kunst ein klein wenig „überrumpelt“ fühlen. Die inmitten der malerischen fränkischen Weinlandschaft am Main gelegene Stadt mit der alles überragenden Festung Marienburg ist dennoch ein besonderes kunsthistorisches Ereignis, das man mit allen Sinnen genießen sollte.

Schon um 1000 v. Chr. existierte auf dem Marienberg eine keltische Fliehburg und etwa 650 n. Chr. konnte an dieser Stelle ein fränkischer Herzogsitz nachgewiesen werden. Im Jahr 704 wurde Würzburg als „Virteburch“ erstmals urkundlich erwähnt. Bereits 788 wurde der erste Dom in Anwesenheit von Kaiser Karl dem Großen feierlich geweiht. Hier heiratete Friedrich Barbarossa im Jahr 1156 Beatrix von Burgund, doch all der Glanz verhalf Würzburg nie zu dem Recht, sich als freie Reichsstadt aus der bischöflichen Herrschaft zu lösen. Im Dreißigjährigen Krieg eroberte der Schwedenkönig Gustav Adolf die Stadt mitsamt der Festung Marienberg. Würzburg wurde geplündert, der Bischof vertrieben und die bedeutende Bibliothek der Stadt kam mit den Siegern nach Uppsala. Doch schon wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg brach für Würzburg unter den Fürstbischöfen die eigentliche Blütezeit an, die ihrer grenzenlosen Prunksucht mit prächtigen Gebäuden Ausdruck verliehen.

Im 19. Jahrhundert gelangte die Würzburger Universität zu beachtlichem Ansehen, in der berühmte Wissenschaftler wie Virchow und Röntgen lehrten. In der Nacht des 16. März 1945 verwandelte sich die Würzburger Innenstadt innerhalb von 17 Minuten in ein brennendes Inferno, das 90 Prozent der historischen Altstadt zerstörte. Doch Würzburg hat es meisterhaft verstanden, aus dem Bombenschutt wie der sagenhafte Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen.

Die fürstbischöfliche Residenz, die nach Plänen des Barockbaumeisters Balthasar Neumann errichtet wurde, gilt als Hauptwerk des süddeutschen Barocks und zählt zu den berühmtesten Schlössern Europas. Die Decke des monumentalen Treppenhauses wird von einem herrlichen Freskengemälde des venezianischen Malers Tiepolo geschmückt, das als größtes Deckengemälde der Welt gilt.

Weniger prächtig, doch umso geschichtsträchtiger präsentiert sich die Festung Marienberg, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Bischöfen zum Schutz von Stadt und dem umliegenden Land erbaut wurde. Der Bergfried im Innenhof ist mit seinen 800 Jahren der älteste Gebäudeteil der Burg und die ebenfalls dort stehende Marienkirche ist sogar noch zweihundert Jahre älter.

Nicht versäumen sollte man einen Spaziergang durch den im Renaissancestil angelegten Fürstengarten, der auch einen herrlichen Ausblick über die Stadt bietet. Beeindruckend gibt sich auch der Dom St. Kilian, der als viertgrößte romanische Kirche Deutschlands gilt. Bedeutsam sind die Grabdenkmäler der Bischöfe, vor allem das von Tilman Riemenschneider geschaffene Grabmal für Rudolf von Scherenberg. Auch der an das Langhaus anschließende Kreuzgang und die Krypta mit den Gebeinen des heiligen Bruno sind eine Besichtigung wert.

Nicht minder sehenswert ist das ursprünglich romanische, dann barock umgestaltete Neumünster, das die Reliquien der drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan beherbergt. Das Alte Rathaus und das Falkenhaus gelten als Meisterwerke profaner Baukunst, während die Franziskanerkirche den eher schlichten Charakter einer Ordenskirche repräsentiert.

Diverse Museen, die Alte Universität und viele kulturelle und kunsthistorisch bedeutsame Institutionen runden den eindrucksvollen Bummel durch die einzigartige Bischofsstadt stimmungsvoll ab.





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